Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris Moquin-Tandon, 1855)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Die Spanische Wegschnecke kann von der einheimischen Schwarzen Wegschnecke (Arion ater) nur anatomisch unterschieden werden. Charakteristisch sind der viel kleinere Vorhof der Geschlechtsöffnung (Atrium) und der zum Atrium hin stark verdickte Eileiter (Oviduct).

Merkmale

Erwachsene Tiere ausgestreckt 7 bis 14 cm lang. Färbung erwachsener Tiere meist einfarbig dunkel- oder hellbraun, selten auch schwarz. Jungtiere oft mit leuchtend hellbraunen oder orangefarbenen Seitenbinden auf dunkelbraunem Grund.

Verbreitung

West- und Mitteleuropa.

Lebensweise

Spanische Wegschnecken sind meist in der Nacht oder am Tag bei Regen aktiv. Die Paarung findet etwa ab Mitte Juli bis September statt. Die Eiablage erfolgt etwa von Anfang August bis Oktober unter Steinen, unter Rinde oder in Komposthaufen. Entweder schlüpfen die Jungtiere noch vor dem Winter oder der Schlupf erfolgt erst im Frühjahr. Spanische Wegschnecken werden etwa ein Jahr alt. Die Tiere ernähren sich von zahlreichen Nutz- und Zierpflanzenarten, Aas (z. B. toten eigenen Artgenossen) und Tierkot. Es existieren Beobachtungen, dass sie von Stockenten (Anas platyrhynchos) gefressen werden.

Lebensräume

Die Art besiedelt alle für sie geeigneten Lebensräume innerhalb von Städten und Dörfern sowie alle geeigneten Lebensräume in der Umgebung von Ortschaften: Gärten, Parks, Friedhöfe, Straßenränder, Felder, Hecken, Teichgebiete, Laub- und Mischwälder.

Bestandssituation

Die Spanische Wegschnecke ist seit ihrer Einschleppung nach Sachsen 1993 mit Gartenerde, Zier- und Nutzpflanzen aus den Altbundesländern bzw. aus den Niederlanden inzwischen die häufigste Nacktschneckenart im Freistaat und verursacht beachtliche Fraßschäden in der Landwirtschaft und im Gartenbau.

Literatur


  • Baade, H., Unruh, M., 2000: Die Weiße Heideschnecke, Xerolenta obvia (Menke, 1828), in Nordwestsachsen und angrenzenden Regionen (Gastropoda: Stylommatophora: Hygromiidae). – Malakologische Abhandlungen des Museums für Tierkunde Dresden 20(1): 181–196. 
  • Hölzinger, J., 2013: Stockente Anas platyrhynchos an Spanischer Wegschnecke Arion vulgaris erstickt. – Ornithologische Jahreshefte für Baden-Württemberg 29: 151-155.
  • Kapischke, F. 2010: Gastroodenzönosen auf ausgewählten Halden der Bergbaufolgelandschaft um Freiberg (Sachsen). Diplomarbeit. Technische Universität Bergakademie Freiberg, Interdisziplinäres Ökologisches Zentrum, Arbeitsgruppe Biologie/Ökologie. 228 S.
  • Kerney, M. P., Cameron, R. A. D. & Jungbluth, J. H. 1983: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Ein Bestimmungsbuch für Biologen und Naturfreunde. Paul Parey, Hamburg & Berlin. 384 S., 368 Ktn. (incl. 24 Farbtafeln).
  • Ludwig, A., Reise, H. & Hutchinson, J. M. C. 2015: Die Nacktschneckenfauna in Gärten der Stadt Görlitz. – Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz 23: 43-57.
  • Pohl, A. 2013: Bericht über die 29. Regionaltagung des Arbeitskreises Ost der DMG vom 16.–18. September 2011 in Bad Elster (Vogtland). - Mitteilungen der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 89: 47–53.
  • Reise, H., Backeljau, T. & Seidel, D., 1996: Erstnachweise dreier Schneckenarten und weitere malakofaunistisch bemerkenswerte Funde aus der Oberlausitz. – Berichte der naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz 5(5): 39–47.
  • Reise, H., Benke, M. & Hutchinson, J. M. C. 2002: A sinistral specimen of the terrestrial slug Arion lusitanicus (Gastropoda: Pulmonata: Arionidae). - Malakologische Abhandlungen des Staatlichen Museums für Tierkunde Dresden 20(2): 247-252.
  • Zeissler, H. 1999: Die Molluskenfauna von Nordwestsachsen. - Veröffentlichungen Naturkundemuseum Leipzig 17: 1-95.
Autor(-en): Katrin Schniebs. Letzte Änderung am 12.04.2023

Zwei Spanische Wegschnecken (Arion vulgaris) bei der Paarung. Oelsnitz/Erzgebirge Juli 2010.
(Foto: K. Schniebs)


Charakteristische Bestimmungsmerkmale der Spanischen Wegschnecke (Arion vulgaris) sind der kleine Geschlechtsvorhof (Atrium) (roter Pfeil) und der starkt verdickte Eileiter (Oviduct) (blauer Pfeil).
(Foto: K. Schniebs)


Jungtiere der Spanischen Wegschnecke (Arion vulgaris) sind anders gefärbt als die erwachsenen Tiere.
(Foto: K. Schniebs)


Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), Wald südlich von Schkeuditz, August 2017. Das Tier wurde anatomisch determiniert.
(Foto: Frank Borleis)


Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), Stadt Wehlen, Anfang Juli 2021 (wurde anatomisch determiniert)
(Foto: K. Schniebs)
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