Weinbergschnecke (Helix pomatia Linnaeus, 1758)

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Die Weinbergschnecke ist unsere größte einheimische Landschneckenart. Erwachsene Tiere mit einem Gehäusedurchmesser zwischen 3 und 5 cm können nur eventuell mit der eingeschleppten Gefleckten Weinbergschnecke (Cornu aspersum) verwechselt werden.

Merkmale

Gehäusedurchmesser bei 5-6 Umgängen zwischen 30 und 50 mm, dann Gehäusewand relativ dick. Kugelige Gehäuse der Jungtiere dünnwandig. Gehäuse lebender Schnecken bräunlich bis hellgrau, oft mit dunkleren, mehr oder weniger deutlichen Bändern (Anzahl kann zwischen 1-5 schwanken). Mundsaum bei erwachsenen Tieren schwach erweitert und mit weißlicher bis rosafarbener Lippe.

Verbreitung

Mittel- und Südosteuropa.

Lebensweise

Geschlechtsreife Weinbergschnecken ab einem Alter von 2 bis 5 Jahren paaren sich im hauptsächlich im Mai und Juni . Zu dieser Zeit sind die männlichen Teile der Geschlechtsorgane besonders stark ausgebildet und in der Zwitterdrüse werden die Spermien gebildet. Die Paarung kann bis 24 Stunden dauern. Dabei pressen sich die Tiere meist mit den Fußsohlen aneinander, betasten und beknabbern sich und richten sich hoch auf. Aus Kalk in einer speziellen Drüse gebildete Liebespfeile werden dem Partner in die Haut gerammt, um ihn zur Übergabe eines Spermapaketes anzuregen. Die Spermapakete werden oft wechselseitig übergeben, es kommt aber auch vor, dass eine Schnecke leer ausgeht. Die Spermien werden in einer speziellen Tasche, die Bestandteil der Geschlechtsorgane ist, einige Wochen gespeichert, bis in der Zwitterdrüse Eier gebildet werden und diese befruchtet werden können. Die Schnecke gräbt mit dem Fuß eine kleine Erdgrube, in die bis zu 60 kalkschalige weiße Eier gelegt werden. Die Entwicklung der Eier dauert etwa 3 bis 4 Wochen. Die Jungtiere haben beim Schlüpfen eine Gehäusedurchmesser von etwa 4 mm.
Weinbergschnecken fressen sowohl frische grüne als auch bereits welke Pflanzenteile. Die Aufnahme von Kot wurde auch schon beobachtet. Sie dient wahrscheinlich der Versorgung mit Mineralstoffen.

Lebensräume

Weinbergschnecken bevorzugen Lebensräume auf kalkreichen Böden. Sie leben an den Rändern lichter Laub- und Mischwälder, in Gebüschen und Hecken. Im Mittelalter wurden sie als Fastenspeise in der Nähe von Schlössern, Burgen und Klöstern angesiedelt, wo sie oft auch heute noch zu finden sind.

Bestandssituation

In Sachsen nicht gefährdet. Die Weinbergschnecke ist geschützt nach der Bundesartenschutzverordnung und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang 5).

Literatur

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  • Brockhaus, T. 2021: Untersuchungen an einer isolierten wildlebenden Population der Weinbergschnecke Helix pomatia L. 1758 im Unteren Erzgebirge (Mollusca: Pulmonata). - Artenschutzreport 45: 28-32.
  • Büttner, K., 1954: Die Molluskenfauna von Südwestsachsen. - Abhandlungen und Berichte aus dem Staatlichen Museum für Tierkunde - Forschungsstelle - Dresden 22(1): 47-87.
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  • Kapischke, F. 2010: Gastroodenzönosen auf ausgewählten Halden der Bergbaufolgelandschaft um Freiberg (Sachsen). Diplomarbeit. Technische Universität Bergakademie Freiberg, Interdisziplinäres Ökologisches Zentrum, Arbeitsgruppe Biologie/Ökologie. 228 S.
  • Kerney, M. P., Cameron, R. A. D. & Jungbluth, J. H. 1983: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Ein Bestimmungsbuch für Biologen und Naturfreunde. Paul Parey, Hamburg & Berlin. 384 S., 368 Ktn. (incl. 24 Farbtafeln).
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  • Zeißler, H. 1978: Die Lausitzer Molluskenfunde von ARTHUR SCHLECHTER, Kamenz (8.10.1895-26.4.1952). - Zoologische Abhandlungen des Staatlichen Museums für Tierkunde Dresden 35: 169-202.
  • Zeissler, H. 1993: Mollusken aus dem Einzugsgebiet der unteren Zschopau bei Waldheim (Sachsen). - Malakologische Abhandlungen des Staatlichen Museums für Tierkunde Dresden 16(2): 221-242.
  • Zeissler, H. 1999: Die Molluskenfauna von Nordwestsachsen. - Veröffentlichungen Naturkundemuseum Leipzig 17: 1-95.
Autor(-en): Katrin Schniebs. Letzte Änderung am 05.08.2021

Weinbergschnecke in Oelsnitz / Erzgeb., im Sommer 2011
(Foto: Katrin Schniebs)


Weinbergschnecken an Waldmeister, Zschopau, April 2013
(Foto: A. Frenzel)


Weinbergschnecken (Helix pomatia) bei der Paarung, Weesenstein, Ende Mai 2013
(Foto: Katrin Schniebs)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Weischlitz, Mai 2013
(Foto: Stephan Teckert)


Weinbergschnecken (Helix pomatia) bei der Paarung, Seußlitz, Mai 2013
(Foto: Tommy Kästner)


Diese Schnecke mit 3 Tastfühlern "besuchte" mich in meinem Garten 3 Jahre hintereinander, nachdem ich sie aus Sicherheitsgründen in eine aufgelassene Gärtnerei ca. 200m von meinem Garten entfernt gebracht hatte. Im 2. Jahr hatte ich sie mit Farbe markiert, um eine eindeutige Wiedererkennung möglich zu machen
(Foto: Jürgen Schulze)


Juvenile Weinbergschnecke (Helix pomatia), Stadt Wehlen, September 2013
(Foto: Katrin Schniebs)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Leipzig Paunsdorf, Bahnhofgelände, Juli 2014
(Foto: Frank Borleis)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Dresden-Zschieren, Mitte August 2014
(Foto: Katrin Schniebs)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Leipzig Probstheida, Säkundärwald, Mai 2015
(Foto: Frank Borleis)


Weinbergschnecke (Helix pomatia) im April 2014 nahe Großröhrsdorf
(Foto: Tilmann Adler)


Weinbergschnecke (Helix pomatia) Schänitz Kopfweidenreihe, Ende April 2016
(Foto: Jens Tomasini)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Dresden-Weixdorf, Mitte Juni 2016
(Foto: Moritz Moslener)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Dresden-Weixdorf, Mitte Juni 2016
(Foto: Moritz Moslener)


Weinbergschnecke (Helix pomatia) im Herrnholz bei Schkeuditz, April 2017
(Foto: Frank Borleis)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Rosenholz bei Dölzig
(Foto: Frank Borleis)


Weinbergschnecken (Helix pomatia), Paarung, Gleisberg, Ende Juni 2017
(Foto: Andreas Hurtig)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Schkeuditz NSG Luppeaue, Juli 2017
(Foto: Frank Borleis)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), noch eingewintert, 21.3.2019. Kleinzschocher bei Leipzig
(Foto: Frank Borleis)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Dammwiese, Hainbuchenwald bei Schkeuditz, April 2019
(Foto: Frank Borleis)


Weinbergschnecke (Helix pomatia) im LSG Hüttertal bei Radeberg Mitte Mai 2019
(Foto: Tilmann Adler)


Weinbergschnecke (Helix pomatia) bei Hohenprießnitz, Ende Juni 2016
(Foto: Tilmann Adler)


Weinbergschnecken (Helix pomatia) bei Heinersgrün am 24.06.2017
(Foto: Tilmann Adler)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Dresden-Alttorna, Mitte Mai 2020
(Foto: Stefan Preuß )


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Freital, Anfang Juni 2020
(Foto: Anja Löschmann )


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Ottendorf-Okrilla, Mai 2016
(Foto: Ulf Reimann)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Adorf/Erzgebirgskreis, August 2019
(Foto: T. Brockhaus)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Chemnitz, Südlicher Stadtpark, Juli 2018
(Foto: Dr. Thomas Schreiter)


Weinbergschnecke (Helix pomatia), Chemnitz, Botanischer Garten, Anfang September 2021
(Foto: Michael Münch)
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