Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis (O. F. Müller, 1774))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Nur Gehäuse erwachsener Garten-Schnirkelschnecken mit weißer Mündung und Lippe können sicher von den Gehäusen erwachsener Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) unterschieden werden, die eine dunkelbraune bis schwarze Mündungs- und Lippenfärbung aufweisen. Eine Unterscheidung von Jungtieren ist nicht möglich. Relativ selten vorkommende Garten-Schnirkelschnecken mit rotbrauner Mündung (Form fuscolabiata, siehe Foto) sind eigentlich nur anatomisch sicher von Hain-Schnirkelschnecken unterscheidbar. Gleich große Gehäuse der Gemeinen Strauchschnecke (Fruticicola fruticum) unterscheiden sich durch den deutlichen Nabel (siehe Foto dort).

Merkmale

Das Gehäuse erwachsener Tiere ist leicht gedrückt kugelförmig mit niedrigem Gewinde aus 5 bis 5,5 Umgängen und erreicht einen Durchmesser von 14 bis 20 mm und eine Höhe von 10 bis 17 mm. Auf rötlichem, gelben oder bräunlichen Untergrund können bis zu fünf dunkle Bänder unterschiedlicher Breite vorhanden sein, die auch völlig oder teilweise miteinander verschmelzen können. Mundsaum und Lippe sind meist weiß gefärbt. Es gibt jedoch auch die Form fuscolabiata mit einer rötlichbraunen Mündung und Lippe. Der Nabel ist völlig geschlossen. Anatomisch unterscheidet sich die Garten-Schnirkelschnecke von der Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) durch längere Fingerförmige Drüsen und eine kürzere Liebespfeildrüse, deren oberes Ende kaum über die Stelle hinausragt, an dem die Vagina in den Eileiter übergeht.

Verbreitung

West- und Mitteleuropa.

Lebensweise

Die Paarung erfolgt von März bis Mai nach dem Erwachen aus der Winterruhe.

Lebensräume

Die Art kommt überwiegend in Laub- und Mischwäldern, auf Wiesen und in Hecken vor. In Gärten ist sie kaum anzutreffen, lediglich, wenn diese an ihre natürlichen Lebensräume angrenzen. Deshalb sind ihr lateinischer und deutscher Name eigentlich irreführend.

Bestandssituation

Die Garten-Schnirkelschnecke ist in Sachsen nicht gefährdet.

Literatur

  • Baade, H., Unruh, M., 2000: Die Weiße Heideschnecke, Xerolenta obvia (Menke, 1828), in Nordwestsachsen und angrenzenden Regionen (Gastropoda: Stylommatophora: Hygromiidae). – Malakologische Abhandlungen des Museums für Tierkunde Dresden 20(1): 181–196. 
  • Bößneck, U. 1993: Bericht über das Treffen des Regionalkreises Ost der DMG vom 18. bis 20. September 1992 in Taltitz/Vogtland mit Artenliste der gesammelten Mollusken. – Mitteilungen der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 52: 31-35.
  • Bößneck, U. 1996: Mollusken-Lebensgemeinschaften an 52 thüringischen und sächsischen Burgstellen – ein Beitrag zur Wirbellosen-Faunistik an alten Siedlungsplätzen. – Malakologische Abhandlungen des Museums für Tierkunde Dresden 18(9): 83–106.
  • Bogon, K. 1990: Landschnecken. Biologie-Ökologie-Biotopschutz. Natur Verlag, Augsburg. 404 S.
  • Büttner, K., 1954: Die Molluskenfauna von Südwestsachsen. - Abhandlungen und Berichte aus dem Staatlichen Museum für Tierkunde - Forschungsstelle - Dresden 22(1): 47-87.
  • Flasar, I. & Flasarova, M. 2000: Weichtiere und Asseln in der Umgebung des Bachs Polava/Pöhlbach (Bundesrepublik Deutschland und Tschechische Republik: Böhmen und Sachsen) (Mollusca et Isopoda). - Malakologische Abhandlungen des Staatlichen Museums für Tierkunde Dresden 20(1): 137-159.
  • Haldemann, R., 1990: Die Gastropodenfauna des Burgberges Rochsburg bei Karl-Marx-Stadt, mit Neufund von Helicodiscus singleyanus (Pilsbry) für die Fauna der DDR. – Malakologische Abhandlungen des Museums für Tierkunde Dresden 15(1): 73–80.
  • Heyne, E.R. 1931: Sächsische Mollusken-Funde. Mitgeteilt von E. R. Heyne, Großenhain. Nebst einigen Anmerkungen von A. Schlechter. – Sitzungberichte Isis Dresden 1930: 125–134.
  • Kapischke, F. 2010: Gastroodenzönosen auf ausgewählten Halden der Bergbaufolgelandschaft um Freiberg (Sachsen). Diplomarbeit. Technische Universität Bergakademie Freiberg, Interdisziplinäres Ökologisches Zentrum, Arbeitsgruppe Biologie/Ökologie. 228 S.
  • Kerney, M. P., Cameron, R. A. D. & Jungbluth, J. H. 1983: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Ein Bestimmungsbuch für Biologen und Naturfreunde. Paul Parey, Hamburg & Berlin. 384 S., 368 Ktn. (incl. 24 Farbtafeln).
  • Köhler, E., 1886: Gehäusebauende Landschnecken im Bereiche erzgebirgischer und vogtländischer Schlösser oder deren Ruinen. - Jahresberichte des Vereins für Naturkunde zu Zwickau 1885: 24-28.
  • Matzke, M., 1985: Arion intermedius Normand im Forst bei Lichtenstein am nördlichen Fuße des Westerzgebirges (Gastropoda, Stylommatophora, Arionidae). – Malakologische Abhandlungen des Museums für Tierkunde Dresden 11(1): 55–56.
  • Neumann, E. 1893: Die Molluskenfauna des Königreichs Sachsen. - Nachrichtsblatt der deutschen malakozoologischen Gesellschaft 25: 47-64.
  • Ritter, L. 1956: Ein Beitrag zur Molluskenfauna der Görlitzer Umgebung: Zusammenstellung der auf der Landeskrone vorkommenden Schnecken. – Abhandlungen und Berichte des Naturkundemuseums Görlitz 35(1): 129–133.
  • Rossmässler, E. A. 1835: Iconographie der Land- und Süßwasser-Mollusken mit vorzüglicher Berücksichtigung der europäischen noch nicht abgebildeten Arten. Bd. I, Heft 1. Arnoldische Buchhandlung, Dresden, Leipzig. 132 S.
  • Schlechter, A. 1954: Über Land- und Wasserschnecken in der Umgebung von Kamenz/Sachsen. - Abhandlungen und Berichte aus dem Staatlichen Museum für Tierkunde Dresden 22(1): 88-96.
  • Trübsbach, P. 1934: Die geographische Verbreitung der Gastropoden im Gebiete der Zschopau nebst biologischen Untersuchungen. – Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Chemnitz: 15–98, 1 Karte.
  • Weise, A. 1884: Ueber das Vorkommen der Gehäuseschnecken und Muscheln in der südlichen Oberlausitz. - Sitzungsberichte Isis Dresden 1883: 102-104.
  • Wiese, V. 2014: Die Landschnecken Deutschlands. Finden - Erkennen - Bestimmen. Quelle & Meyer, Wiebelsheim. 352 S.
  • Wohlberedt, O. 1899: Molluskenfauna des Königreichs Sachsen. – Nachrichtsblatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 31(1/4): 1–20, 33–56.
  • Zeissler, H. 1961: Die Schnecken des Rabenauer Grundes bei Dresden. – Archiv für Molluskenkunde 90(1/3): 51–56.
  • Zeissler, H., 1964: Die rezenten Schnecken an der Wiprechtsburg bei Groitzsch (Bez. Leipzig). - Mitteilungen der deutschen malakozoologischen Gesellschaft 1(5): 54-56.
  • Zeissler, H. 1993: Mollusken aus dem Einzugsgebiet der unteren Zschopau bei Waldheim (Sachsen). - Malakologische Abhandlungen des Staatlichen Museums für Tierkunde Dresden 16(2): 221-242.
  • Zeissler, H. 1999: Die Molluskenfauna von Nordwestsachsen. - Veröffentlichungen Naturkundemuseum Leipzig 17: 1-95.
Autor(-en): Katrin Schniebs. Letzte Änderung am 25.04.2022

Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), Deutsch-Paulsdorfer Spitzberg, Mittel Juli 2013
(Foto: Katrin Schniebs)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), Deutsch-Paulsdorfer Spitzberg, Mitte Juli 2013
(Foto: Katrin Schniebs)


Völlig gelbe Farbvariante der Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), Glauchau, Anfang Mai 2013
(Foto: Katrin Schniebs)


Braunmündige Form der Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), Steinbach/Erzgebirge Anfang Juli 2013, das Tier wurde anatomisch determiniert
(Foto: Katrin Schniebs)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), bei Nerchau, Juli 2017
(Foto: Andreas Hurtig)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), bei Nerchau, Juli 2017
(Foto: Andreas Hurtig)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis) auf Ribes spicatum, Schkeuditz, Verschlossenes Holz Ostteil, Oktober 2017
(Foto: Frank Borleis)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), Leipzig Kanitzsch, April 2018
(Foto: Frank Borleis)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), Leipzig, Siebenacker. Mai 2018
(Foto: Frank Borleis)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), völlig pigmentfreies Tier: statt schwarz sind die Streifen transparent. Leipzig Ratsholz, Juni 2018
(Foto: Frank Borleis)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), Leipzig, NSG Elster-Pleiße-Aue, Mai 2019
(Foto: Frank Borleis)


Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis), Leipzig, NSG Elster-Pleiße-Aue, Juli 2019, nachts, nach Regen.
(Foto: Frank Borleis)
Login
Termine (Archiv)
Statistik
  • 33068 Beobachtungen
  • 11107 Onlinemeldungen
  • 226 Steckbriefe
  • 1091 Fotos
  • 217 Arten mit Fund
  • 206 Arten mit Fotos
  • Liste der Autoren