Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Nur Gehäuse erwachsener Tiere, bei denen Mundsaum und Lippe dunkelbraun bis fast schwarz gefärbt sind, können sicher von denen der Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis) mit meist weißer Mündung und Lippe unterschieden werden. Von Garten-Schnirkelschnecken mit rötlichbrauner Mündung und Lippe (Form fuscolabiata, siehe Foto bei Cepaea hortensis) ist die Unterscheidung nur anhand der Gehäuse schwierig und nur anatomisch völlig sicher. Die etwa gleich großen Gehäuse der Gemeinen Strauchschnecke (Fruticicola fruticum) sind deutlich genabelt (siehe Foto dort). Ganz selten treten auch albinotische Exemplare der Hain-Schnirkelschnecke mit weißer Gehäusemündung auf (siehe Foto). In diesen Fällen ist eine sichere Bestimmung nur anatomisch möglich.

Merkmale

Die Gehäuse erwachsener Hain-Schnirkelschnecken erreichen mit etwa 4,5 bis 5,5 Umgängen eine Breite zwischen 18 und 25 mm und eine Höhe zwischen 12 und 22 mm. Ihre Form ist meist kugelförmig, das Gewinde ist erhoben konisch. Die Grundfärbung ist gelblich, rötlich oder bräunlich. Darauf können sich bis zu 5 dunkle Bänder befinden, Verschmelzungen dieser Bänder in unterschiedlichen Varianten sind möglich. Der erweiterte Mundsaum weist eine kräftige Lippe auf, die entsprechend der Mündung rotb- bis dunkelbraun oder fast schwarz gefärbt ist. Der Gehäusenabel ist bei erwachsenen Tieren geschlossen. Anatomisch unterscheidet sich die Hain-Schnirkelschnecke von der Garten-Schnirkelschnecke (Cepaea hortensis) durch kürzere Fingerförmige Drüsen und eine längere Liebespfeildrüse, deren oberes Ende weit über die Stelle hinausragt, an dem die Vagina in den Eileiter übergeht.

Verbreitung

Westeuropa.

Lebensweise

Den Winter verbringen die Schnirkelschnecken im Erdboden. Die Gehäusemündung ist dann mit einem dicken Kalkdeckel verschlossen (siehe Foto). Die Paarung erfolgt von April bis Mai, oft schon nach dem Verlassen der Winterverstecke. Zwischen Juni und August werden 30 bis 50 weiße Eier in einer kleinen selbstgegrabenen Erdgrube abgelegt. Die Jungtiere schlüpfen nach etwa 3 Wochen. Hain-Schnirkelschnecken ernähren sich überwiegend von frischen Pflanzenteilen.

Lebensräume

Diese Art ist in den unterschiedlichsten Lebensräumen zu finden: Randbereiche von Laub- und Mischwäldern, Hecken, Gebüsche, Wiesen, Parks und Gärten.

Bestandssituation

Die Hain-Schnirkelschnecke gehört zu den häufigsten Schneckenarten in Sachsen.

Literatur

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  • Bößneck, U. 1996: Mollusken-Lebensgemeinschaften an 52 thüringischen und sächsischen Burgstellen – ein Beitrag zur Wirbellosen-Faunistik an alten Siedlungsplätzen. – Malakologische Abhandlungen des Museums für Tierkunde Dresden 18(9): 83–106.
  • Bogon, K. 1990: Landschnecken. Biologie-Ökologie-Biotopschutz. Natur Verlag, Augsburg. 404 S.
  • Büttner, K., 1954: Die Molluskenfauna von Südwestsachsen. - Abhandlungen und Berichte aus dem Staatlichen Museum für Tierkunde - Forschungsstelle - Dresden 22(1): 47-87.
  • Flasar, I. & Flasarova, M. 2000: Weichtiere und Asseln in der Umgebung des Bachs Polava/Pöhlbach (Bundesrepublik Deutschland und Tschechische Republik: Böhmen und Sachsen) (Mollusca et Isopoda). - Malakologische Abhandlungen des Staatlichen Museums für Tierkunde Dresden 20(1): 137-159.
  • Heyne, E.R. 1931: Sächsische Mollusken-Funde. Mitgeteilt von E. R. Heyne, Großenhain. Nebst einigen Anmerkungen von A. Schlechter. – Sitzungberichte Isis Dresden 1930: 125–134.
  • Kapischke, F. 2010: Gastroodenzönosen auf ausgewählten Halden der Bergbaufolgelandschaft um Freiberg (Sachsen). Diplomarbeit. Technische Universität Bergakademie Freiberg, Interdisziplinäres Ökologisches Zentrum, Arbeitsgruppe Biologie/Ökologie. 228 S.
  • Kerney, M. P., Cameron, R. A. D. & Jungbluth, J. H. 1983: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Ein Bestimmungsbuch für Biologen und Naturfreunde. Paul Parey, Hamburg & Berlin. 384 S., 368 Ktn. (incl. 24 Farbtafeln).
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  • Köhler, E., 1886: Gehäusebauende Landschnecken im Bereiche erzgebirgischer und vogtländischer Schlösser oder deren Ruinen. - Jahresberichte des Vereins für Naturkunde zu Zwickau 1885: 24-28.
  • Neumann, E., 1893: Die Conchylien von Chemnitz und seiner Umgegend. - Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Chemnitz 12 (1889-1892): 51-54.
  • Neumann, E. 1893: Die Molluskenfauna des Königreichs Sachsen. - Nachrichtsblatt der deutschen malakozoologischen Gesellschaft 25: 47-64.
  • Schlechter, A. 1954: Über Land- und Wasserschnecken in der Umgebung von Kamenz/Sachsen. - Abhandlungen und Berichte aus dem Staatlichen Museum für Tierkunde Dresden 22(1): 88-96.
  • Trübsbach, P. 1934: Die geographische Verbreitung der Gastropoden im Gebiete der Zschopau nebst biologischen Untersuchungen. – Berichte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Chemnitz: 15–98, 1 Karte.
  • Weise, A. 1884: Ueber das Vorkommen der Gehäuseschnecken und Muscheln in der südlichen Oberlausitz. - Sitzungsberichte Isis Dresden 1883: 102-104.
  • Wiese, V. 2014: Die Landschnecken Deutschlands. Finden - Erkennen - Bestimmen. Quelle & Meyer, Wiebelsheim. 352 S.
  • Wohlberedt, O. 1899: Molluskenfauna des Königreichs Sachsen. – Nachrichtsblatt der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 31(1/4): 1–20, 33–56.
  • Zeissler, H. 1993: Mollusken aus dem Einzugsgebiet der unteren Zschopau bei Waldheim (Sachsen). - Malakologische Abhandlungen des Staatlichen Museums für Tierkunde Dresden 16(2): 221-242.
  • Zeissler, H. 1999: Die Molluskenfauna von Nordwestsachsen. - Veröffentlichungen Naturkundemuseum Leipzig 17: 1-95.
Autor(-en): Katrin Schniebs. Letzte Änderung am 24.07.2019

Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Kleinraschütz, Mai 2010
(Foto: Katrin Schniebs)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) im Garten in Zschopau
(Foto: A. Frenzel)


Drei verschiedene Farbvarianten der Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Dresden-Klotzsche, Anfang Mai 2013
(Foto: Katrin Schniebs)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Chemnitz, Juli 2013: Teil-Albino mit weißer Gehäusemündung.
(Foto: Andrea Beyreuther)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) aus etwa 10 cm Erdtiefe mit Winterdeckel, Oelsnitz/Erzgebirge, Mitte März 2014
(Foto: Katrin Schniebs)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Großenhain, Ende April 2014
(Foto: Jens Tomasini)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Leipzig Paunsdorf, Bahnhofgelände, Juli 2014
(Foto: Frank Borleis)


Hain-Schnirkelschnecken (Cepaea nemoralis), Leipzig Paunsdorf, Bahnhofgelände, Juli 2014
(Foto: Frank Borleis)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) im September 2013 südlich Talsperre Wallroda
(Foto: Tilmann Adler)


Hainschnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), verwildertes Gartengrundstück, Chemnitz-Adelsberg im Mai 2016
(Foto: Michael Münch)


Hainschnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), verwildertes Gartengrundstück, Chemnitz-Adelsberg im Mai 2016
(Foto: Michael Münch)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Dresden-Weixdorf, Mitte Juni 2016
(Foto: Moritz Moslener)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Leipzig Messegelände, Juli 2016
(Foto: Frank Borleis)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Schkeuditz, NSG Luppeaue, März 2017
(Foto: Frank Borleis)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Schkeuditzer Wald, Mai 2017
(Foto: Frank Borleis)


Hain-Schnirkelschnecken (Cepaea nemoralis), Gleisberg, Mitte Juli 2017
(Foto: Andreas Hurtig)


Jungtier der Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Gleisberg, Oktober 2017
(Foto: Andreas Hurtig)


Jungtier der Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Gleisberg, Oktober 2017
(Foto: Andreas Hurtig)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) auf Streuobstwiese, Vogtland im Juni 2017
(Foto: Daniel Werner)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) mit Gemeiner Bernsteinschnecke, Leipzig Kanitzsch, April 2018
(Foto: Frank Borleis)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Leipzig Lützschena, Schlosspark, November 2018
(Foto: Frank Borleis)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Leipzig, NSG Elster-Pleiße-Aue, Juli 2019, nachts, nach Regen
(Foto: Frank Borleis)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) am Tetterweinbach b. Aue
(Foto: Krahn, K.)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) in Radeberg, Anfang Juni 2018
(Foto: Tilmann Adler)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) im LSG Hüttertal bei Radeberg, Mitte Mai 2019
(Foto: Tilmann Adler)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) in Radeberg, Mitte September 2013
(Foto: Tilmann Adler)


Paarung der Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), in naturnahen Garten in Mülsen, in dem die Art häufig anzutreffen ist
(Foto: Klaus Krahn)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Chemnitz-Adelsberg, Ende August 2021, noch nicht völlig erwachsenes Exemplar mit noch fehlender dunkelbrauner Gehäusemündung
(Foto: Michael Münch)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Glashütte, Mitte April 2010
(Foto: S. Höhnel)


Hain-Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis), Schneeberg, Anfang Juli 2022
(Foto: S. Höhnel)
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