Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera (Linnaeus, 1758))

DE Deutschland , DE-SN Sachsen

Diagnose

Merkmale

Erwachsene Flussperlmuscheln erreichen eine Schalenlänge von 118 bis 148 mm, eine Schalenhöhe von 57 bis 72 mm und eine Schalendicke von 32 bis 45 mm. Die Form der Schalen ist mehr oder weniger nierenförmig. Die Schalenwirbel treten kaum hervor und sind meist stark korrodiert, so dass unter dem schwarzen Periostrakum liegende, meist bräunlich gefärbte Kalkschichten zu sehen sind. Das Schalenschloss besteht nur aus Hauptzähnen (ein Hauptzahn an der rechten und zwei Hauptzähne an der linken Schale).

Verbreitung

Holarktisch.

Lebensweise

Flussperlmuscheln bilden in Gewässern mit guten Lebensbedingungen Bänke mit mehr als 1 000 Tieren pro Quadratmeter. Sie sind getrenntgeschlechtlich und werden mit 15 bis 20 Jahren geschlechtsreif. Ein Weibchen kann pro Jahr 3 bis 5 (maximal 10 Millionen) Larven (Glochidien) produzieren, die beim Ausstoßen aus dem Muttertier eine Größe von 0,05 mm besitzen. Sie müssen von einer Bachforelle oder einem Lachs eingeatmet werden, damit sie sich in den nächsten 10 Monaten als Kiemenparasit weiter entwickeln können und eine Größe von 0,5 mm erreichen. Danach fallen sie vom Wirtsfisch ab und verbringen ihre nächste Lebensphase im Lückensystem des Bachbodens. Erst mit etwa 2 cm Größe (dann sind sie 4 bis 5 Jahre alt), erscheinen sie auf der Oberfläche des Gewässergrundes. Das durchschnittliche Lebensalter beträgt 80 bis 100 Jahre, in Skandinavien erreichen Flussperlmuscheln auch ein alter von 130 Jahren.

Lebensräume

Flussperlmuscheln leben nur in kälteren, kalkarmen und sauberen Fließgewässern mit einem Kalkgehalt von maximal 10 mg Kalk je Liter.

Bestandssituation

Die Flussperlmuschel ist sowohl in Deutschland als auch im Freistaat Sachsen vom Aussterben bedroht. Sie wird in den Anhängen II und V der FFH-Richtlinie gelistet. In der Bundesartenschutzverordnung wird sie als streng geschütze Art geführt.

Literatur

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  • Baer, O., 1976: Zur Bionomie vogtländischer Flußperlmuscheln (Mollusca, Lamellibranchiata). – Malakologische Abhandlungen des Museums für Tierkunde Dresden 5(1): 101–118.
  • Baer, O., 1981: Zur früheren Verbreitung der Flußperlmuschel in der Westlausitz. – Veröffentlichungen des Museums der Westlausitz 5: 53–70.
  • Baer, O., 1984: Das östlichste Vorkommen der Flußperlmuschel im System der Oder und seine Beziehungen zu den sich westlich anschließenden Verbreitungsgebieten (Eulamellibranchiata, Margaritiferidae). – Malakologische Abhandlungen des Museums für Tierkunde Dresden 10(1): 53–68.
  • Baer, O., 1995: Die Flußperlmuschel. - Die Neue Brehm-Bücherei 619. Westarp-Wiss.: Magdeburg; Spektrum Akad. verl.: Heidelberg, Berlin, Oxford. 118 S.
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  • Fechter, R. & Falkner, G., 1990: Weichtiere. Europäische Meeres- und Binnenmollusken. Steinbachs Naturführer. Mosaik Verlag, München. 287 S.
  • Geist, J. & Kuehn, R., 2005: Genetic diversity and differentiation of central European freshwater pearl mussel (Margaritifera margaritifera L.) populations: implications for conservation and management. – Molecular Ecology 14: 425–439.
  • Glöer, P. 2015: Süßwassermollusken - Ein Bestimmungsschlüssel für die Muscheln und Schnecken im Süßwasser der Bundesrepublik Deutschland. Göttingen, Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung. 135 S.
  • Hertel, R., 1958: Die Flußperlmuschel (Margaritana margaritifera L.) in Sachsen. – Abhandlungen und Berichte des Museums für Tierkunde Dresden 24: 57–82, 5 Tafeln.
  • Hertel, R., 1959: Die Flußperlmuschel – ein aussterbendes Tier unserer Heimat. – Sächsische Heimatblätter 5(2): 93–100.
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  • Jungbluth, J. H. & von Knorre, D. unter Mitarbeit von Bössneck, U., Groh, K., Hackenberg, E., Kobialka, H., Körnig, G., Menzel-Harloff, H., Niederhöfer, H.-J., Petrick, S., Schniebs, K., Wiese, V., Wimmer, W. & Zettler, M. L., 2009: Rote Liste der Binnenmollusken [Schnecken (Gastropoda) und Muscheln (Bivalvia)] in Deutschland. - Mitteilungen der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft 81: 1-28.
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  • Weise, A. 1884: Ueber das Vorkommen der Gehäuseschnecken und Muscheln in der südlichen Oberlausitz. - Sitzungsberichte Isis Dresden 1883: 102-104.
Autor(-en): Katrin Schniebs. Letzte Änderung am 17.01.2019

Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera), Tetterweinbach, 1955
(Foto: Katrin Schniebs)


Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera), Würschnitzbach, 1955
(Foto: Katrin Schniebs)


Im Gegensatz zu den Arten der Gattung Unio besteht das Schloss der Flussperlmuscheln (Margaritifera margaritifera) nur aus Hauptzähnen.
(Foto: Katrin Schniebs)
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